Lorsch. Auf großes Interesse stieß bei jungen Müttern und Vätern eine Veranstaltung, die vom Mütter- und Familienzentrum Lorsch (Mütze) angeboten wurde. Es ging um das Thema: "Sprachentwicklung bei Kindern", zu dem die Logopäden Reiner Sieg und Christian Steiger referierten. Mit Ratschläge aus ihrer Praxiserfahrung und aufklärenden Beispielen informierten sie die Eltern, wie die "normale" Sprachentwicklung eines Kindes verläuft. Vom ersten Schrei über das Lallen bis zum ersten Wort.
Es kommt es vor, dass manche Kinder schon früh ganze Sätze sprechen können, während Gleichaltrige noch mit "Zwei-Wort-Sätzen" wie "Ball haben", "Spielen wollen" oder "Mama böse" umgehen. Reiner Sieg: "Alle Kanäle der Wahrnehmung sind weitgehend schon im Mutterleib vorhanden. Nur die ,Gebrauchsanweisung' fehlt!"
Ob Hören, Sehen, Fühlen oder Schmecken: Das Kind muss eigene Erfahrungen machen, bei denen es die Erwachsenen unterstützen, aber nicht überfordern dürfen. Dazu gehören zum Beispiel: Das Abschätzen von Entfernungen, das Empfinden von süß, sauer oder salzig, das Fühlen von schwer und leicht oder nass und trocken. Die Entwicklung der Fein- und Grobmotorik sind eine Voraussetzung für das Sprechen, denn Zungenmuskel, Gaumensegel, Rachenrückwand und ,Mundmotor' müssen so eingesetzt werden, dass auch schwierige Laute wie das "K, T, CH oder SCH" entstehen können.
"Die Nase muss frei sein", meinten die beiden Logopäden. "Wenn ein Kind stets den Mund offen hat, sollte man überprüfen, ob es eine Angewohnheit ist oder eine verstopfte Nase durch ständigen Schnupfen oder Polypen. Hier muss der Kinderarzt zu Rate gezogen werden, wobei ein gelegentliches "Stottern" nicht unbedingt einen Arztbesuch erfordert. Zu diesem Thema informierte Christian Steiger die interessierten Eltern.
"Stottern ist oft ein Zeichen von Schüchternheit, Stress oder Überforderung. Hier können Erwachsene viel dazu beitragen, dass diese ,Störung' sich schnell wieder verflüchtigt." Der Tipp der Experten: "Das Kind nicht zum Reden zwingen, wenn es nichts erzählen will!"
Die Eltern erfuhren, mit welchen spielerischen Tricks und Sprechübungen sie hier helfen können. "Nicht unterbrechen! Nicht vorgreifen! Das Kind in Ruhe und mit Geduld ausreden lassen! Sich Zeit nehmen und zuhören! Das Selbstwertgefühl stärken!"
Die Sprachentwicklung bei Kindern ist natürlich sehr unterschiedlich. Es gibt keine festen Regeln, in welchem Alter komplette Sätze mit der grammatisch richtigen Wortstellung "gekonnt werden müssen". Reiner Sieg und Christian Steiger erklärten hier: "Sollte ein Kind mit drei Jahren nur einen Sprachschatz von zwanzig bis fünfundzwanzig Wörtern haben, sollte ein Kinderarzt oder Logopäde aufgesucht werden. Hatte das Kind häufig Schnupfen oder Mandelohrentzündungen können dies Ursachen für eine verzögerte Sprachentwicklung sein."
Auf alle Elternfragen antworteten die beiden Referenten mit fachkundiger Kompetenz und einer Spur Humor. Bei vielen Kindern bilden die "Ch-Laute" ein Problem, worauf der Tipp kam: "Gurgeln Sie gemeinsam! Und, so Reiner Sieg und Christian Steiger: "Lachen Sie mit Ihren Kindern! Viel Lachen trainiert das Zwerchfell und führt zu einer gesunden Gesamtkörperentwicklung!" sph
© Bergsträßer Anzeiger - 23.04.2005